Gib Feuer, Prometheus! Gott des Mitleids, Du hältst das Geheimnis der Gestirne und
des Bergs, der Rettung und Erwartung…Es ist ein Ruf, ein Gebet, erbarme Dich unser…
Gib göttliches Feuer, bring Heil. Im Auftrag der Götter und der Menschen, bis das Ende kommt.
Zerreisse die Ketten, erhelle die Nacht – in der Wärme der Fülle des Geistes.
aus: Die Klagen der Okeaniden
Kein anderer Gott der Antike ist so geheimnisvoll, wie Prometheus. Kein Anderer wurde so oft besungen, beschrieben, angebetet…Dichtungen und Mythen sind voll von Klage über ihn- wie er für die Menschheit immer noch leidet, angekettet am Berg Kaukasus, bestraft wegen seines Mitleids… Weil auch er ein Schöpfer Gott war und die Menschen aus Lehm erschuf? War er wirklich ein Demiurg, der Himmelssamen mit Regenwasser vermischte? Ein Sterndeuter? Ein Vor-Denker: Pro-metheus, oder ein Pro-phet?
Wie einst in den Urzeiten, als die Menschen «ehern», eisern, zu fest in der Materie gefangen waren, als er seinen Sohn κιβοτός eine Arche Noah zu bauen beauftragt hat, so soll er uns JETZT wieder retten, das Feuer des Geistes geben. Feuer der Verwandlung, der Vervollkommnung, der Vereinigung mit dem Göttlichen Licht.
Feuer als Substanz der hermetischen Transformation, das vorhandene Materie auflöst und sie zur höheren, lebendigen, edleren Form verwandelt. Nicht um die Vernichtung, sondern um die Verwandlung, die Vergeistigung, die Erfüllung geht es. Selbst die Form des Feuers, sie entsteht in der endlosen Bewegung, in der ständigen Auflösung und Neubildung. Das Licht, die Wärme und die Verwandlung – Grundlagen des Lebens, des Geistes sind sie.