Nina Gamsachurdia transformiert wertvolle Materialien wie Lapislazuli, Gold und Malachit in leuchtende Emanationen des Transzendenten. Ihre Werke verweisen auf das Ewige. Das Licht, das von ihren Arbeiten ausgeht, ist Symbol für das Heilige. Zugleich ist ihre moderne Sakralkunst sehr sinnlich. Ihre Werke sind dazu da, nicht nur bestaunt, sondern auch berührt zu werden wie die traditionellen Ikonen, welche nicht für die Wand bestimmt waren, sondern auf dem Körper getragen wurden.
Nina Gamsachurdias Malerei geht auf die byzantinische Malerei zurück und sich mit grossen, religionsphilosophischen Themen wie Geburt, Transformation, Gnade und Ekstase befasst.
Die ursprünglich aus Georgien stammende Künstlerin, Kunsthistorikerin und Restauratorin Nina Gamsachurdia malt ausschliesslich mit natürlichen Pigmenten. Alle Bilder sind auf Holztafeln und Tücher gemalt. Die lichtechten Farben stellt die Künstlerin auf historische Art und Weise von Hand oder in einer Steinmühle her – aus echten Edelsteinen und Mineralien wie Jaspis, Malachit, Onyx, Pyrit, Diamant, Opal, Sodalith, Zinnober, Rhodochrosit usw. Die Farben besitzen eine besondere Wertigkeit, Leuchtkraft und Wirkung und werden durch einen Firnis aus verschiedenen Ölen und Harzen wie Dammar, Myrre, Bernstein usw. konserviert, so, dass man sie mit der Hand anfassen kann.
Viele von ihr verwendete Mineralien besitzen mehr oder wenig magnetische Resonanz, das bedeutet, dass sie das Spektrum der Wahrnehmung erweitern. Um die Schwingung der Steine zu spüren, braucht es Zeit, es braucht anfassen, annähern. Man muss sich darauf einlassen, innerlich zur Ruhe kommen. Die Werke von Nina Gamsachurdia sind meditativ, oder vielmehr kontemplativ – sowohl was ihre Wirkung anbelangt, aber auch den Herstellungsprozess. Alles braucht Zeit, die langwierige Grundierung des Holzes, welches als Bildträger verwendet wird, die Herstellung der Farbpigmente und auch der Aufbau des Kunstwerks in Schichten, angefangen bei der Grundierung bis zum Firnis und den letzten körnigen Glimmer.
Neben Gemälden auf Holz stellt Nina Gamsachurdia auch Objekte und Reliefs her, deren fliessende Form sie gewinnt, indem sie freien, ungespannten Leintuch in mehreren Schichten mit Marmor, Kreide, mitunter auch Alabaster und Leim grundiert, dann mit Edelmetallen wie Gold und Platin überzieht.
Die Künstlerin erklärt ihre Kunst mit folgenden Worten: «Meine sämtliche Technik, Einstellung, Farbsymbolik usw. habe ich aus der Welt der byzantinischen Kunst gelernt (und lerne immer noch). Diese ist mein Ausgangspunkt. Ich bin auch Forscherin und schreibe immer wieder über die theologischen und symbolischen Grundlagen der Kunst. Alles, was ich mache, ist sehr persönlich. Aber meine persönlichen emotionalen Erfahrungen verarbeite ich so, damit sie ‘allgemeingültig’ werden. Was mich interessiert, ist die geistige Welt, in uns und um uns.» In dieser Hinsicht ist Nina Gamsachurdia eine aussergewöhnliche, mutige Künstlerin, welche der Kunst die spirituelle Dimension zurückgibt.