Philosoph und Elektrophysiker Pavel Florenskij (1882-1937)
Dr. Natalia Ganahl
Lecture

March 1, 17-19h
"Ich kannte Ihn als Mathematiker und Physiker, als Theologen und Philologen, als Religionshistoriker, als Dichter, als Kenner und Verehrer der Kunst und als tiefen Mystiker. Die letzten Jahre vor der Verbannung hielt Vater Pavel in Moskau Vorlesungen über Elektrizität und die Theorie der Perspektive“ – schrieb über Pavel Florenskij Religionsphilosoph Sergej Bulgakov. Während Bulgakov 1922 gemeinsam mit anderen idealistischen Denkern auf dem berühmten „Philosophenschiff“ Sowjetrussland verließ, lehnte Florenskij diese Möglichkeit ab und überschriet damit seine bereits etablierte Position des religiösen Philosophen. Neben seiner Philosophieprofessur an der Geistlichen Akademie übernahm er zwei weiteren: eine für Kunstphilosophie an der linken avantgardistischen Kunsthochschule WCHUTEMAS und eine für Elektrophysik am Staatlichen Elektrotechnischen Institut, das 1921 auf Lenins Initiative gegründet worden war, wo er bis zur Verhaftung im Jahr 1933 produktiv forschte, ohne sein Priesteramt aufzugeben.

Pavel Florenskis Vorlesungen zur Analyse von Raum und Perspektive in der bildenden Kunst – besonders in der altrussischen Ikonenmalerei – gelten als früheste kunsttheoretische Arbeiten zu diesem Thema. Bemerkenswert ist, dass sie zeitgleich mit seinen grundlegenden Studien zur Elektromaterialkunde entstanden. In diesem Abendvortrag werden wir der Frage nachgehen, was diese beiden Pionierforschungen aus den 1920er Jahren im vielschichtigen und ganzheitlichen Werk von Pavel Florenskij verbindet.


March 1, 17-19h | Door opens 16:30

📍Mühlebachstrasse 12, CH-8008 Zürich

The event is in German


RSVP per email info@lechbinska.com


Die Vorlesung ist organisiert in Zusammenarbeit mit Iconarium,

Verein zur Erhaltung und Sicherung von sakralem Kulturgut in der Schweiz.

Dr. Natalia Ganahl
Natalia Ganahls Forschung konzentriert sich auf die frühe sowjetische Avantgarde in den transdisziplinären Bereichen Kunst- und Bildmediengeschichte, Wissensgeschichte, Philosophie und Kulturwissenschaft von der frühen Moderne bis zur Gegenwart. Sie studierte Linguistik, Literatur- und Kulturwissenschaften in Russland und Kunstgeschichte in Zürich. Im Jahr 2018 promovierte sie zum Thema „Zentralperspektive vor und nach der Oktoberrevolution” in Zürich. Sie war Pre-Doc und Post-Doc Stipendiatin des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) sowie assoziiertes Mitglied des Graduate College des Eikones Centre. Von 2021 bis 2024 war sie außerdem Gastforscherin und Gastdozentin bzw. Assistentin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien und lehrte zur allgemeinen Kunsttheorie und Geschichte der russischen und sowjetischen Avantgarde. 

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