«Ich kannte ihn als Mathematiker und Physiker, als Theologen und Philologen, als Religionshistoriker, als Dichter, als Kenner und Verehrer der Kunst und als tiefen Mystiker. Die letzten Jahre vor der Verbannung hielt Vater Pavel in Moskau Vorlesungen über Elektrizität und die Theorie der Perspektive» – schrieb über Pavel Florenskij der Religionsphilosoph Sergej Bulgakov.
Während Bulgakov 1922 gemeinsam mit anderen idealistischen Denkern auf dem berühmten «Philosophenschiff» Sowjetrussland verließ, lehnte Florenskij diese Möglichkeit ab und überschritt damit seine bereits etablierte Position als religiöser Philosoph. Neben seiner Philosophieprofessur an der Geistlichen Akademie übernahm er zwei weitere: eine für Kunstphilosophie – Analyse des Raumes – an der linken, avantgardistischen Kunsthochschule WChUTEMAS und eine für Elektrophysik am Staatlichen Elektrotechnischen Institut, das 1921 auf Lenins Initiative gegründet worden war. Als Leiter der Abteilung für Elektromaterialkunde forschte er dort bis zu seiner Verhaftung im Jahr 1933, ohne sein Priesteramt aufzugeben.
Pavel Florenskis Vorlesungen zur Analyse des Raumes in der bildenden Kunst – vor allem die Kritik der Perspektive und die Neuaufwertung der altrussischen Ikonenmalerei – gelten als früheste kunsttheoretische Arbeiten zu diesem Thema. Bemerkenswert ist, dass sie zeitgleich mit seinen grundlegenden Studien zur Elektromaterialkunde entstanden. In diesem Abendvortrag werden wir der Frage nachgehen, was diese beiden Pionierforschungen aus den 1920er Jahren im vielschichtigen Werk von Pavel Florenskij philosophisch verbindet.
March 1, 17-19h | Door opens 16:30
📍Mühlebachstrasse 12, CH-8008 Zürich
The event is in German
RSVP per email info@lechbinska.com
Die Vorlesung ist organisiert in Zusammenarbeit mit Iconarium,
Verein zur Erhaltung und Sicherung von sakralem Kulturgut in der Schweiz.