n der
Kosmologie der
Pythagoräer (z. B. bei
Philolaos) ist die Hestia das (unsichtbare) Zentralfeuer, um das in einem
Heptachord die
Planeten kreisen (zu denen auch die Sonne zählt), die durch diese Kreisbewegung die
Sphärenharmonieerzeugen.
[29] Es ist nicht sicher, dass bei diesen kosmologischen Spekulationen auch die Göttin assoziiert wurde und nicht nur das Abstraktum Feuer. Dass die Verbindung tatsächlich hergestellt wurde, belegen zwei
Epigramme der Claudia Trophime, 92 n. Chr.
Prytanis von
Ephesos. Das erste lautet:
„Sie [Hestia] hat den Göttern bei ihren Mahlzeiten (Speise und Trank) gereicht, sie unterhält das blühende Feuer der Heimatstadt; liebste Göttin, Blüte des Weltalls, ewiges Feuer, Göttin, die du auf dem Herdaltar den Feuerbrand unterhältst, der vom Himmel stammt.“
[30] Schon erwähnt wurde die von Platon stammende Herleitung des Namens der Hestia von οὐσία ousía und die damit begründete Gleichsetzung Hestias mit der Essenz des Seins, der wahren Wirklichkeit. Die gleiche Entsprechung findet sich später bei
Plotin, wo die Gleichsetzung zu Einheit (
Monade) = Sein = Hestia ausgebaut wird.
[31] Die von den Pythagoräern ausgegangene Spekulation treibt Blüten bis in den
deutschen Idealismus. Bei
Schellingversucht sie sich zurückzuwinden zur naturwissenschaftlichen Wurzel:
„Die Alten haben unter dem Namen Vesta (Hestia) die allgemeine Substanz und diese selbst unter dem Sinnbild des Feuers verehrt. Sie haben uns dadurch einen Wink hinterlassen, daß das Feuer nichts anderes als die reine in der Körperlichkeit durchbrechende Substanz oder dritte Dimension sei, eine Ansicht, die uns über die Natur des Verbrennungsprozesses, dessen Haupterscheinung das Feuer ist, vorläufig schon einiges Licht gibt.“
[32]